Kontakter-Blog | | von Lena Herrmann

Award-Kritik der "SZ": "Die Verlogenheit des deutschen Preiswesens"

Wer Preise vergibt, der muss sich immer die Frage gefallen lassen, wie es zu der jeweiligen Entscheidung gekommen ist. Denn die wenigsten Awards, die es hierzulande gibt, werden aus freien Stücken und ohne kommerzielle Interessen vergeben. Das ist eine These, die Reinhard Brembeck im Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" vom 23. März aufstellt. Anlass für seine Kritik, die er unter der Überschrift "Über die Verlogenheit des deutschen Preiswesens" veröffentlicht hat, ist die Vergabe des Echos und seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit als einer der wichtigsten deutschen Musikpreise. Die Wahrheit hinter dem Spektakel, das Brembeck als "echter PR-Coup" betitelt: Die fünf Nominierungen sind eine Farce, denn schon längst steht im Vorfeld fest, wer den Preis gewinnen wird. Nämlich zum einen, wessen Album sich am besten verkauft hat. Und, da die Chefs von Universal, Sony und Warner im Vorstand des Veranstalters Deutschen Phono-Akademie e.V. sitzen, wohl auch der Proporz.

Soweit Herr Brembeck, der sich im Laufe seines Artikels auch auf die Designpreise Red Dot Award, Deutscher Designpreis, German Design Award und iF Award stürzt. Sein größter Kritikpunkt: Bei der Teilnahme werden Einreichungsgebühren fällig, beim Sieg noch mehr Geld für "üppige Bücher und Partys".

Der Weg von der Design- zur Werbebranche ist da nicht weit. So gut wie alle Veranstalter von Preisverleihungen und Awards verlangen für die Einreichung von Awards Geld. Wobei auf die Agenturen oft schon vorher Kosten zukommen - zumindest, wenn sie einen zweiten Löwen für ihren Kunden produzieren lassen wollen.

Sind Werbepreise also genauso wenig wert wie der Echo in Herrn Brembecks Augen? Das Problem ist altbekannt: In der ADC-Jury sind alle vertreten, die hinterher auch als Gewinner vom Platz gehen. Es gilt, die eigene Arbeit möglichst subtil und erfolgreich den anderen Kollegen schmackhaft zu machen. Und auch in Cannes lässt sich immer wieder beobachten, dass vor allem die Kampagnen der Juroren gewinnen. Unter der Hand bestätigen die Juroren immer wieder, dass sich die einzelnen Werber natürlich für ihre Arbeiten einsetzen - auch wenn sie bei der Abstimmung dann vor die Tür gehen.

Die Frage ist aber eigentlich eine andere: Machen sich Preise unglaubwürdig, wenn Teilnehmer dafür bezahlen müssen? Sind die Veranstalter im Zugzwang, möglichst viele Preise zu vergeben, um einreichende Agenturen nicht abzuschrecken? Ohne Zweifel: Würde es in Cannes nur noch einen Preis pro Kategorie geben, würden sich viele Agenturen wesentlich besser überlegen, ob sie die Arbeit für mehrere hundert Euro ins Rennen um einen Award schicken. Und die Veranstalter würden deutlich weniger verdienen.

Aber auch Herr Brembeck zeigt, dass Preise, die in erster Linie verkaufen sollen - und das sollen Werbe-Awards ja auch irgendwie - durchaus ihre Berechtigung haben. Als Beispiel führt er den Deutschen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse an. Hinter den beiden Auszeichnungen stehen kommerzielle Absichten, aber Fachjurys mit angesehenen Literaturkritikern sorgen dafür, dass das Ergebnis der Juryberatungen unabhängig von Macht und Proporz ist.

Viele Preise ausschließlich als PR-Tool zu bezeichnen, wie es Herr Brembeck tut, ist nachvollziehbar. Seine Argumentation ist verständlich und zeigt auf die Sache einen durchaus bedenkenswerten Blick der Menschen, die nicht als Brancheninsider gelten. Es ist wichtig, dass sich Veranstalter und auch Agenturen vor Augen halten, dass der Weg, den sie beschreiten ein schmaler Grat ist - und schon manches Mal ist es schon gekippt. Auch wenn seine Haltung radikal ist: Der Werbeszene würde es helfen, seine Argumente ernst zu nehmen. Um den schmalen Grat zwischen ernsthafter Verleihung und Farce zu bewahren.

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